Quartier

Chronik zu FRANKLIN

Die Umwandlung (= Konversion) der drei Millionen Quadratmeter großen Flächen in Mannheim, die durch den Abzug des US-Militärs frei wurden, ist eine außergewöhnliche Chance für unsere Stadt. Die Kasernenflächen sollen so genutzt werden, dass ganz Mannheim davon profitiert. In einigen Kasernen können Sie bereits jetzt leben, arbeiten, mieten, kaufen, gestalten – und so ganz praktisch an der Gestaltung der Zukunft von Mannheim mitwirken. An dem Umwandlungsprozess waren bereits in den vergangenen Jahren viele Mannheimer Bürgerinnen und Bürger aktiv beteiligt.

Zur Koordination des Gesamtprozesses wurde bereits kurz nach Bekanntgabe der Abzugspläne 2010 eine Geschäftsstelle bei der Stadt Mannheim eingerichtet, die dem Beauftragten für die Konversion, Dr. Konrad Hummel, unterstellt war und eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe beauftragt, die Planungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung der frei werdenden Flächen vorbereitete. Ende 2016 wurde die Geschäftsstelle Konversion geschlossen, da die erste Phase der Konversions- und Bürgerbeteiligung abgeschlossen wurde.

2012 wurde die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP gegründet, um die Planung und Entwicklung der Flächen voran zu treiben. Sie ist Ansprechpartnerin für Investorinnen und Investoren, die die strategischen Grundsätze des Mannheimer Konversions- und Bürgerbeteiligungsprozesses für eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadtentwicklung mittragen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 hat die MWSP bereits fünf Konversionsflächen gekauft, die sich aktuell in der Entwicklung befinden: Die Turley Barracks in 2012, die Taylor Barracks in 2013 und die Benjamin-Franklin-Village mit den Sullivan und Funari Barracks in 2015.

US Geschichte

60 Jahre lang war das Gebiet des ehemaligen Benjamin Franklin Village (BFV) eine Stadt in der Stadt, ein Armeegelände der US-Streitkräfte, auf dem 10.000 Amerikaner lebten und arbeiteten. Seit dem 11. September 2001 sogar weitgehend abgeschottet mit Zäunen, gesichert durch Einlasskontrollen.

2014
Räumung der letzten Gebäude in der Funari Barracks durch die Amerikaner.

2012
Auszug der letzten verbliebenen Familien aus der BFV. Das Areal wird zusammen mit der Sullivan Barracks und Teilen der Funari Barracks durch die Amerikaner geräumt.

2011
Abzug der letzten Soldaten aus der Sullivan Barracks.

2007
Beginn des Abzugs von Einheiten aus der Mannheimer Garnison, die sich auch im Wohngebiet BFV allmählich bemerkbar macht.

2001
Die bisher für die deutsche Öffentlichkeit frei zugängliche BFV wird nach den Ereignissen des 11. September 2001 abgeriegelt. Einheiten aus der Sullivan Barracks dienen nun häufiger in Afghanistan oder im Irak.

1995–1999
Zahlreiche Gebäude im Franklin-Areal werden renoviert, wodurch sich insbesondere die Wohnsituation alleinstehender Soldaten verbessert. Im hinteren Bereich der Sullivan Barracks wird ein neuer Commissary (Lebensmittelmarkt) errichtet.

1994
Mit dem Abzug der 3rd Brigade der 1st Armored Division verschwinden die beiden Panzerbataillone aus der Sullivan Barracks. Im gleichen Jahr wird das CEGE-Hauptquartier in die Niederlande verlegt.

1988 – 1990
Umbau des Fürther Platzes („Platz der Freundschaft“), dessen unübersichtliche Verkehrsführung in der Vergangenheit zu vielen Unfällen geführt hatte (daher der Spitzname „Moxnix Corner“ unter den Amerikanern).

1975 – 1976
Errichtung einer Middle School für die Klassenstufen 6 bis 8 an der Birkenauer Straße. Die neue Schule entlastet die anderen beiden Schulen in der BFV.

1962
Mit Marschall Iwan Jakubowski besucht der Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen in der DDR zusammen mit seinem Stab Mannheim. Im Woods Memorial Stadium der BFV wird den Besuchern aus der DDR ein umfangreiches Programm samt Sprungturmvorführung geboten.

1956
Die bis 1956 an der Columbusstraße bestehende Elementary School zieht in einen Neubau bei der Funari Barracks; gleichzeitig wird das ehemalige Schulgebäude in eine High School umgewandelt. Der Büffel Geronimo wird zum Maskottchen der neuen Schule gewählt.

1954
Das 510th Tank Battalion in der Sullivan Barracks erhält einen leibhaftigen Büffel als Maskottchen; das Tier mit Namen Geronimo ist ein Geschenk der Stadt Allentown im US-Bundesstaat Pennsylvania.

1951
Mit dem Hauptquartier der 34th Anti-Aircraft Artillery Brigade zieht das ranghöchste Luftabwehrhauptquartier der US Army in Europa in die Funari Barracks; kurze Zeit später treffen ein Panzer- und ein Panzergrenadierbataillon sowie weitere Einheiten (Luftabwehr, Feldjäger) in der Sullivan Barracks ein.

1951 – 1957
Zwischen der Funari und Sullivan Barracks entsteht in drei Bauabschnitten die Wohnsiedlung Benjamin Franklin Village (BFV; rund 2.000 Wohneinheiten). Dazu kommen Sozialeinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, eine Poliklinik, ein Kino, eine Soldatenkirche, ein Hotel sowie diverse Geschäfte, Klubs und Sportanlagen.

Um 1950
Im »Turmuhrgebäude« der Funari Barracks besteht eine amerikanische Elementary School, die kurze Zeit später in einen Neubau in der Columbusstraße zieht.

1949
Für einige Monate ist das einzige amerikanische Panzerbataillon in ganz Europa in der Sullivan Barracks stationiert.

1948
Auf Befehl des amerikanischen Oberkommandos in Europa wird im Mai die Flakkaserne in Sullivan Barracks, die Gallwitz-Kaserne in Funari Barracks umbenannt. Die Namensgeber George Sullivan und Robert Funari waren Ende März/Anfang April 1945 mit der 100th Infantry Division durch Mannheim marschiert, bevor sie zwei Wochen später bei Kämpfen in der Nähe von Heilbronn ums Leben kamen.

1945
Amerikanische Truppen der 44th Infantry Division erreichen das Franklin-Areal und nehmen die damalige Flakkaserne und Gallwitz-Kaserne in Besitz. In der Flakkaserne und Gallwitz-Kaserne sind jeweils rund 800 amerikanische Soldaten stationiert, dazu kommen im Fall der Gallwitz-Kaserne noch einige hundert Displaced Persons (DP); zeitweise befindet sich hier auch ein Militärkrankenhaus.