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26. März 2019

Sullivan erhält vier neue Straßen

George-Sullivan-Ring, Joy-Fleming-Ring, Mabel-Grammer-Ring und Jean-Moore-Fasse-Ring – so heißen die neuen Straßen auf Sullivan.

Mit der Benennung von Joy Fleming, Jean Moore Fasse und Mabel Grammer werden drei Frauen geehrt, die sich in der Nachkriegszeit in Mannheim durch ihr Engagement für eine freundschaftliche deutsch-amerikanische Beziehung durch Veranstaltung von Jazz-Konzerten in der Turley Barracks sowie Vermittlung von Mischlingskindern aus Mannheim und Umgebung zur Adoption in den USA verdient gemacht haben. Damit wird der neue Taufbezirk „Frauen als Wegbereiterinnen für freundschaftliche deutsch-amerikanische Beziehungen in den Nachkriegsjahren“ gewidmet. Darüber hinaus wird mit dem „George-Sullivan-Ring“ ein Bezug zum ehemaligen amerikanischen Kasernennamen „Sullivan Barracks“ hergestellt. Die Verlängerung der Thomas-Jefferson-Straße ist dem Umstand geschuldet, dass bereits Hausnummern im historischen und aktuellen Gebäudebestand vergeben werden mussten.

George F. Sullivan (1926-1945)

George F. Sullivan wurde Sullivan am 26. Dezember 1926 vermutlich in Mount Vernon im US-Bundesstaat New York. Er trat am 28. Januar 1944 der US Army bei. George F. Sullivan war als „einfacher“ Soldat und Amerikaner Namensgeber einer US-Kaserne (Mannheimer Sullivan Barracks). Die USA brachten mit dieser Namensgebung ihr demokratisches Gesellschaftsverständnis zum Ausdruck. Sie ehrten einen jungen Mann aus dem Volk stellvertretend für die zahlreichen alliierten Soldaten, die im Kampf gegen das Hitler-Regime ihr Leben gelassen und damit den Boden bereitet hatten für den demokratischen Neuanfang Deutschlands. Wie Robert Funari hielt er sich in Mannheim auf dem Durchmarsch maximal einen Tag auf und fiel bei Heilbronn am 10. April 1945.

Joy Fleming (1944-2017)

Joy Fleming wurde am 15. November 1944 als Erna Raad im pfälzischen Rockenhausen geboren und nach dem Krieg ging es zurück nach Mannheim. Parallel zur ihrer Fabrikarbeit sang Joy Fleming in Bars und Kneipen. Ihren ersten Auftritt hatte Joy Fleming dann in der Turley Barracks. Ab 1971 setzte sie ihre Karriere als Solosängerin fort und war mit dem auf Mannemerisch gesungenen „Neckarbrückenblues“ erfolgreich. 1975 belegte sie beim Eurovision Song Contest in Stockholm mit dem Beitrag „Ein Lied kann eine Brücke sein“ Platz 17. 1976 erhielt sie den Bloomaulorden als prominenteste bürgerschaftliche Auszeichnung Mannheims. Mit ihrem neuen Lebensgefährten, dem französischen Komponisten und Musiker Bruno Masselon, lebte sie seit 1997 bis zur ihrem Tod am 27. September 2017 in Hilsbach.

Jean Moore Fasse (1908-2008)

Jean M. Fasse wurde 1908 in Lillington (North Carolina). 1944 trat sie dem amerikanischen Roten Kreuz bei. Nach Auslandseinsätzen kehrte sie in die Vereinigten Staaten zurück und verpflichtete sich bei den U.S. Army Special Services, um Freizeitclubs in Europa zu betreiben. Sie baute den 6th TT Service Club bzw. Tornado Club in der Turley Barracks auf und leitete ihn zwischen 1948 und 1955. Als afroamerikanische Clubleiterin führte sie hier schon früh schwarze und weiße Soldaten zusammen. Der Club profitierte vom sportlichen Erfolg der Baseball-Mannschaft des in der Turley Barracks stationierten 6th Transportation Truck Battalion („Tornados“). Jean M. Fasse konnte dadurch an höherer Stelle immer wieder Gelder für Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten im Club organisieren. Fasse brachte mit ihrer Arbeit nicht nur Soldaten zusammen, sondern auch musikbegeisterte Amerikaner und Deutsche. Von Mannheim aus wurde Jean Fasse dann versetzt. 1963 heiratete Jean Moore Fasse und verließ den Sonderdienst. Sie blieben noch bis 1990 in Europa. Am 21. Juni 2008 starb Jean Moore Fasse.

Mabel A. Grammer (1914 – 2002)

Die zwischen 1951 und 1954 in Mannheim-Feudenheim lebende Amerikanerin Mabel A. Grammer baute eine „Adoptionsbrücke” zwischen deutschen Kinderheimen (darunter in Mannheim das Kinderheim St. Josef) und den USA auf. Durch die amerikanische Garnison in Mannheim kamen ab 1946 viele Kinder mit amerikanischen Vätern zur Welt. In vielen Fällen mussten diese alleine von der Mutter versorgt werden, weswegen nicht wenige zur Adoption freigegeben wurde. Die Kinder hatten im Deutschland der Nachkriegsjahre nur geringe Adoptionschancen durch deutsche Familien, da die Vorurteile gegen Menschen anderer Hautfarbe noch immer vorherrschten. Ungeachtet der bürokratischen und menschlichen Widerstände vermittelte Mabel A. Grammer mehreren hundert Kindern neue Eltern in den USA. Für ihre Menschlichkeit und Selbstlosigkeit wurde sie im Jahre 1968 zusammen mit ihrem Mann Oscar durch Papst Paul VI. mit dem Pro Ecclesia et Pontifice Ehrenorden und der Bene Merenti Verdienstmedaille ausgezeichnet. Mabel A. Grammer und ihr Mann adoptierten selbst insgesamt zwölf Kinder.